Sorgsam saniert

Der Aachener Dom ist Bischofssitz, seit 1978 UNESCO-Weltkulturerbe, Begräbniskirche Karls des Großen und Dauerbaustelle. In dutzenden Bauprojekten setzt Dombaumeister Helmut Maintz das Wahrzeichen instand. Auch der Dachstuhl der Nikolauskapelle wurde 2013 saniert – unter anderem mit SPAX.

Viel länger hätte er nicht warten dürfen. Als der Aachener Dombaumeister Helmut Maintz Ende 2012 die Restauration des Dachstuhls der Nikolauskapelle anordnete, habe an einigen Stellen nur noch Gott geholfen. „Sonst wäre so manches zusammengebrochen“, sagt er. An zu vielen Hölzern hatte der Zahn der Zeit genagt und nicht zuletzt der gescheckte Nagekäfer. Der Schädling hatte den Dachstuhl vor vielen Jahren befallen und konnte erst 2004 erfolgreich beseitigt werden. Entsprechend zerfressen, morsch und angefault waren anschließend viele der mehr als 350 Jahre alten Eichenholzbalken und Verbindungen – und so nicht mehr tragfähig.

Die Nikolauskapelle selbst wurde schon 1487 gebaut, der Dachstuhl nach einem Stadtbrand im Jahr 1656 allerdings noch einmal neu aufgesetzt. „Zum Teil sind die heutigen Balken aber auch älter“, sagt Maintz. Holz war zu der Zeit knapp und schon damals wurde vieles wiederverwendet. „Diese Balken mit Einschnitten, Verkämmungen und Zapfenlöchern wurden der Not gehorchend eingebaut. Das darf man nicht mit Pfusch verwechseln.“ Dennoch gab es für Dombaumeister Maintz und die ausführende Zimmerei Barthel Korr GmbH aus Aachen mehr als genug zu tun.

„Wir mussten zunächst jeden einzelnen Balken begutachten und katalogisieren und dann entscheiden, ob wir ihn ausbessern, stützen oder austauschen.“ - Helmut Maintz, Dombaumeister Aachen

Ein Haus fürs Gotteshaus

„Wenn am Kölner Dom nicht mehr gebaut wird, geht die Welt unter“, heißt es in einem Sprichwort. Das Gleiche gilt für den Aachener Dom. Er wird seit fast 30 Jahren Stück für Stück saniert. Baugerüste und Absperrungen sind die Aachener gewohnt. Was für die Sanierung des Dachstuhls der Nikolauskapelle aufgebaut wurde, hatten sie deshalb schon mehrfach gesehen. Damit Zimmerer und Dachdecker bei jedem Wetter arbeiten konnten, wurde die gesamte Kapelle eingerüstet und mit einem frei tragenden provisorischen Hallendach überspannt. Die Einhausung wurde bereits bei der Sanierung der Kuppel über dem Dom-Oktogon ausgeführt. Fast ein Dreivierteljahr lang schützten rund 3.000 Kubikmeter Stahlgerüst und 1.200 Quadratmeter Wetterschutzplane so auch die Bauarbeiten an der Nikolauskapelle.

Nachdem das Schieferdach mit der Dachschalung abgedeckt war, gingen die Handwerker gemeinsam mit dem Statikbüro Kempen-Krause aus Aachen, ihrer handwerklichen Erfahrung im Denkmalschutz sowie überlegter Präzision am tragenden Skelett des Dachstuhls zu Werke. „Natürlich wollten wir möglichst viel von der Originalsubstanz erhalten“, sagt Maintz, für den die Denkmalpflege stets oberste Priorität hat. „Wir mussten also zunächst jeden einzelnen Balken begutachten und katalogisieren und dann entscheiden, ob wir ihn ausbessern, stützen oder austauschen.“

Welterbe Aachener Dom

  • Baubeginn 793 nach Christus
  • Höhe des Hauptbaus 31 Meter
  • UNESCO-Weltkulturerbe seit 1978
  • 1,3 Millionen Besucher pro Jahr
  • Umfassende Sanierung der gesamten Substanz von 1986 bis 2016
  • Sanierungskosten bis 2016 insgesamt 37 Millionen Euro

Welterbe erhalten

Seit 1986 wird der Aachener Dom umfassend saniert.

Dach überm Dach

Für die Arbeiten am freigelegten Dachstuhl wurde die Kapelle mit einem provisorischen Hallendach überspannt.

Alt, aber stabil

Wo es ging, versuchten die Fachleute, die alte Substanz zu erhalten.

Pragmatische Problemlösung

Weil das Ergebnis dieser fast neunmonatigen Detailarbeit mindestens für die kommenden 200 Jahre halten soll, schreckten Dombaumeister und Zimmerer auch nicht davor zurück, Materialien des heutigen Ingenieurholzbaus zu verwenden. Zum Beispiel bei der Sicherung der etwa zwei bis vier Meter langen Mittelpfetten. Sie verlaufen zwischen den Binderstreben und sind in diese eingezapft. Das Problem: Viele der Zapfen waren verrottet oder droh- ten zu zersplittern. „Das anzufassen, hätte uns nur noch mehr Probleme bereitet“, sagt Maintz. Also entschied er in Abstimmung mit der Denkmalpflege, jede Verbindung mit einer von außen aufgedoppelten Platte aus 4,5 Zentimeter dickem Kerto-Schichtholz und 6 x 120 Millimeter SPAX-Teilgewindeschrauben aus Edelstahl zu sichern. Bei Holz-Holz-Verbindungen in vorhandenen Eichen-Unterzügen und -Streben wurden als Knotenpunktverstärkungen außerdem SPAX-Vollgewindeschrauben aus Edelstahl von 10 x 400 mm bis 12 x 550 mm eingebaut. „Die Zimmerer vor 350 Jahren haben auch mit den aktuellsten Techniken ihrer Zeit gearbeitet. Warum sollten wir das heute nicht tun“, sagt Maintz pragmatisch. Durch die – auch in altem Eichenholz – noch vorhandene Gerbsäure war die Verwendung von Edelstahlschrauben zwingend erforderlich.

Wo neue an noch intakte alte Balken angeschlossen wurden, ließen die Zimmerer die Hölzer halb aus, passten die Gegenstücke einander an und verbolzten sie ebenfalls mit Edelstahlbolzen. Der möglichst sparsame Einsatz von neuem Holz half darüber hinaus bei der Lösung eines ganz anderen Problems. „Eichenholzbalken in der Dimension und Länge, wie wir sie benötigten, werden heute kaum noch angeboten“, sagt Maintz. Neue Eichen-Austauschunterzüge in verschiedenen Dimensionen von bis zu 8,50 Metern Länge stammen von mindestens 150 Jahre alten Bäumen aus einem Wald in Fontainebleau bei Paris.

Von Aachenern für Aachen

Nach Abschluss der Arbeiten am tragenden Dachstuhl wurden die Sparren aus Fichten-Konstruktionsvollholz-DUO-Balken hergestellt. Die Dachschalung besteht aus Fichtenbrettern. Wer heute den Dachstuhl der Nikolauskapelle betritt, hat so beinahe das Gefühl, in einem Neubau zu stehen. Statt Muff und Feuchtigkeit riecht es noch immer nach Harz und Sägespänen. „Genau so sollte es sein“, sagt Maintz. Und auch Olaf Korr, Geschäftsführer der Zimmerei Korr, ist sichtlich zufrieden. „Es ist doch toll, als Aachener seinen Teil zur Pflege unseres Wahrzeichens beizutragen“, sagt er. In diesem Jahr feiern Kirche und Stadt den Abschluss der 30-jährigen Sanierung des Doms. Auf dass er nun die nächsten Jahrhunderte in seiner ganzen Pracht überdauert.

„Die Zimmerer vor 350 Jahren haben auch mit den aktuellsten Techniken ihrer Zeit gearbeitet. Warum sollten wir das heute also nicht auch tun.“ Helmut Maintz, Aachener Dombaumeister

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