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Studenten am Bau

An der Universität haben angehende Architekten nur selten die Gelegenheit, praktisch zu arbeiten. SPAX fördert deshalb entsprechende Projekte. Wie Studierende von den Erfahrungen auf einer echten Baustelle profitieren können, zeigen zwei Beispiele.

Wie ein Skelett

Die Schulaula in Tansania wird mit einer Zollinger-Konstruktion gebaut.

Fast fertig

Zusammen mit afrikanischen Helfern wurde die Schulaula komplett von Hand aufgebaut.

Maßarbeit

Nahezu jede Holzlamelle muss von Hand nachbearbeitet werden.

Auch in Jerusalem bauen die Studenten ihre Konstruktion ohne schweres Gerät auf.

Die Konstruktion hält nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis.

Einen Plan zu haben, ist gut. Aber meist hält er nicht lange, stellt Theresa Blömer schnell fest. Denn während in Deutschland die Lamellen mit professionellem Werkzeug zugeschnitten werden, ist fern der Heimat, in Afrika, hauptsächlich Muskelkraft gefragt. Das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse während des Bauprojekts in Tansania, an dem sie mit 24 weiteren Studenten der TU München im vergangenen Jahr gearbeitet hat. „Eine 1:1-Umsetzung ist nie möglich“, sagt die 25-Jährige heute. Während der Planungsphase für die Schulaula in Kibwigwa – auf Papier und mit Taschenrechner – ahnen die angehenden Holzbau-Architekten davon kaum etwas.

„Klar haben wir versucht, mit Modellen Fehler in unserer Konstruktion aufzuspüren. Aber auf der Baustelle muss man dann doch noch einmal komplett anders denken“, sagt sie. Gemeinsam entwickeln die Studenten neue Ideen, probieren aus, hobeln die angelieferten Hölzer per Hand in die korrekten Maße für die 450 Quadratmeter große Schulaula. Die 1.200 Holzlamellen der Zollinger-Dachkonstruktion fügen sie ohne Hilfsmittel zusammen. Kein Tag läuft wie geplant. Für Studenten, die bis dahin nur an der Universität mit CAD-Programmen geplant haben, ist das eine ganz neue Erfahrung. Auch was es heißt, seinen eigenen Entwurf aufgeben zu müssen und im Team an einem konkurrierenden Modell zu arbeiten, erfahren sie sonst erst im Berufsleben. Aus theoretischen Überlegungen wird tatsächlich ein Gebäude. Auf der Baustelle steuern sie den Ablauf. „Es ist das erste Mal, dass die Studenten so etwas erleben“, sagt Betreuer Martin Kühfuss vom Fachbereich Holzbau der TU München. Sie stellen mit den Projektbetreuern einen Terminplan auf, bestellen Material, wachen über die Bauabschnitte und nehmen diese am Ende ab. Und all das in einem fremden Land, in dem nur rudimentäre Mittel zur Verfügung stehen. Begeistert beobachtet Kühfuss, wie die angehenden Architekten sich während der Arbeit weiterentwickeln. Fachlich wie persönlich. Wochenlang leben sie während des Baus auf engstem Raum in Kibwigwa zusammen. Der Schlafraum ist Speiseraum und Werkzeugraum zugleich. Luxus ist ein Glas Nutella. Ansonsten essen sie tagein, tagaus Reis mit Bohnen. Als Dusche dient ein Abflussrohr in Kombination mit einem Wassereimer.

Schulaula Kibwigwa

Ein Großteil der Schüler muss täglich einen weiten Fußweg zurücklegen, um zur Secondary School in Kibwigwa zu gelangen. Auch für die Mittagspause gehen sie wieder nach Hause, um dort zu essen. Ein beschwerlicher Alltag. Deshalb haben 25 deutsche Studenten unter Anleitung ihrer Dozenten im vergangenen Jahr in Tansania eine Schulaula gebaut, die während der Pause Schatten spenden soll und als Mensa dient. Die Studierenden im Fachgebiet Holzbau der Technischen Universität München haben das Gebäude entworfen und selbst mit der Hilfe von afrikanischen Arbeitern gebaut. Ausgezeichnet wurde das Projekt mit einer Anerkennung beim Förderpreis des Deutschen Holzbaus 2015.

Viel Engagement

Häufig kommt die praktische Erfahrung in der Architektenausbildung an der Universität zu kurz. Durch straffe Stundenpläne ist kaum Zeit für reale Projekte, nicht zuletzt scheitern diese an der Finanzierung. Für das Projekt in Tansania haben die Münchner Studenten deshalb Baumwolltaschen entworfen und verkauft. Doch mehr als ein Zubrot kommt so nicht zusammen. Die Lehrstühle sind auf Unterstützung angewiesen. Etwa auf Spenden von Unternehmen. SPAX unterstützt regelmäßig Vorhaben von Hochschulen mit Materialspenden. Auch die Zollinger-Konstruktion in Afrika wird von Schrauben aus Ennepetal zusammengehalten. „Das ist Gold wert“, sagt Kühfuss. Zudem bringt jeder der Studenten selbst knapp 2.000 Euro auf, um Reise und Unterbringung bezahlen zu können – ganz zu schweigen von der Freizeit, die sie für das ehrenamtliche Projekt opfern. Und dennoch gibt es etliche angehende Architekten, die das gerne auf sich nehmen, um die Chance auf einen Ausblick in ihre Zukunft nach der Uni zu ergreifen.

Knapp 600 Kilometer nordöstlich von München ist das nicht anders. „Die Möglichkeit auf Praxiserfahrung ist sehr selten und zugleich total wichtig für uns“, sagt die Berliner Studentin Elisabeth von Hausen. Eine Tragwerkskonstruktion rein rechnerisch zu dimensionieren, sei etwas anderes, als sie tatsächlich zu bauen und zu sehen, wie sie sich auch auf die Ästhetik auswirkt. Gemeinsam mit neun Kommilitonen der TU Berlin hat die 21-Jährige in diesem Frühjahr einen Aktionsstand in Jerusalem aus Holz gebaut – ebenfalls zusammengehalten durch SPAX. In Israel hat sie die Gelegenheit bekommen, von einem Landvermesser zu lernen und ihm bei der Arbeit über die Schulter zu gucken. „Das ist im Hochschulalltag nicht möglich“, sagt Michael Seitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Architektur an der TU Berlin. Um das künftig zu ändern, wünscht er sich einen besseren Kontakt zwischen Hochschulen und Unternehmen. Nicht nur um Geld für die Finanzierung zu sammeln, sondern auch um vom Erfahrungsaustausch profitieren zu können.

Jerusalem-Treffpunkt

Über den Kontakt von Professor Christophe Barlieb zum israelischen Künstler Matan Israeli haben zehn Studenten der Technischen Universität Berlin die Gelegenheit bekommen, einen Verkaufsstand für Melonen beim diesjährigen Israel Festival zu planen und zu bauen. Der Treffpunkt wird auch für kulturelle Aktionen verwendet und hat so nicht nur einen praktischen Nutzen, sondern vor allem auch symbolische Funktion. Er ist an der Grenze zwischen dem palästinensischen Dorf Beit Safafa und der jüdischen Kommune Katamonim gebaut worden und soll zur Verständigung zwischen beiden Bevölkerungsgruppen beitragen.

Wichtige Erfahrungen

Anders als für viele seiner Kommilitonen gehören Baustellen für Ruven Rotzinger (23) zum Alltag. Zumindest taten sie es noch vor kurzem. Vor seinem Studium hat er eine Ausbildung zum Dachdecker und Spenglermeister absolviert. Er arbeitet gerne mit Holz. „Es ist ein gut verfügbarer Rohstoff, der schon durch einfache Verbindung viel tragen kann. Schlicht und einfach“, sagt er. Innerhalb von zehn Tagen bauen die Berliner Studenten das 25 Meter lange und sieben Meter tiefe Konstrukt samt Treppe auf. Nicht ohne Diskussionen. Aber die gehören dazu. „Es fängt schon mit der Frage an, in welcher Reihenfolge was gemacht wird und wie das Fundament gebaut wird. Fehler aus der Planung von zu Hause müssen vor Ort korrigiert werden“, erzählt Seitz. Es sind Erfahrungen, von denen die jungen Bachelor- Studenten später profitieren sollen. Sie lernen, dass der Beton sich beim Gießen einer Platte nicht von alleine verteilt und wann Füllhölzer gesetzt werden müssen. Dabei müssen sie mit dem Material sparsam umgehen. „Das Holz ist in Israel klimatisch bedingt teurer als bei uns und kam genau abgemessen an“, erinnert sich von Hausen. Doch es hat ausgereicht.
Der Plan ist aufgegangen.

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